Zu Erntedank gehört die Gemeinschaft im Gottesdienst, ein besonderes Dankopfer und ein reich geschmückter Altar. Das hat in der Gemeinde Künzelsau Tradition.
Betrachtet man sich den Altarschmuck, der auch in diesem Jahr wieder für den Gottesdienst am 4.Oktober überreich war, etwas genauer, dann lassen sich darin viele Bezüge zur Heiligen Schrift und zum Evangelium finden.
Das Gemüse hatte schon zu Zeiten von Daniel und seinen Freunden besondere Kraft als Nahrung. Um nicht gegen die jüdischen Speisegesetze zu verstoßen baten sie im babylonischen Exil darum, sich von Gemüse und Wasser ernähren zu dürfen. Gemäß Daniel 1,15 „sahen sie schöner und kräftiger aus als alle jungen Leute, die von des Königs Speise aßen“.
Das Brot findet ganz zu Anfang der Heiligen Schrift bereits Erwähnung. Im neuen Testament ist vom Brotwunder Jesu berichtet, und sich selbst bezeichnet der Herr als „das Brot des Lebens, das vom Himmel gekommen ist“.
Und wir finden Trauben als besonders edle Früchte an diesem Altar. Jesus bezeichnete sich selbst als den Weinstock und seine Jünger als die Reben, die mit dem Herrn viel Frucht bringen können. Und den ersten Christen stand wohl das antike Bild des Füllhorns als Symbol für Reichtum und Überfluss vor Augen, wenn es in Johannes 1,16 über Jesus Christus heißt: „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“
Im Rahmen des Bezirksämteraustauschs hielt der stellvertretende Bezirksvorsteher des Bezirks Backnang, Evangelist Matthias Kraft, den Gottesdienst in unserer Gemeinde. Er würdigte die sichtbare Mühe, die man sich mit dem Altarschmuck gemacht hat, und setzte diesem Reichtum als Denkanstoß einige Zahlen entgegen. So haben über zwei Milliarden Menschen auf dieser Erde keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser. Viele Millionen sind derzeit auf der Flucht aus ihrer Heimat. Und auch wir, die wir scheinbar sicher leben, wissen nicht, ob wir oder unsere Lieben am Abend wieder nach Hause kommen.
Impulse, die uns zeigen sollen, wie gut wir es hier haben und wie viel Grund zur Dankbarkeit es gibt – die möchte uns das Wort Gottes immer wieder geben. Zur Predigtzugabe rief der Evangelist stellvertretend für alle Ämter der Gemeinde den Vorsteher Priester Frank Ziegler auf.
Eine schöne Art unsere Dankbarkeit zu zeigen ist es, vom eigenen Besitz etwas abzugeben. So wird das finanzielle Sonderopfer, das die Gemeindemitglieder an diesem Tag in den Opferkasten legen oder dafür überweisen, für die weltweite humanitäre Hilfe der Kirche eingesetzt und um die Not des Nächsten zu lindern. Im weiteren sagen wir Gott Dank, indem wir seine Schöpfung bewahren – diese Erde wird schließlich noch für das Tausendjährige Friedensreich benötigt. Und nicht zuletzt wollen wir von den göttlichen Werken und seiner Ehre anderen noch erzählen, wie es gemäß dem Bibelwort für den diesjährigen Erntedankgottesdienst auch die Himmel tun (vgl. Psalm 19,2)!