Konzert Chor und Kammerorchester der Neuapostolischen Kirche Stuttgart reißen die vollbesetzte Johanneskirche mit Mendelsson Bartholdys Oratorium „Elias“ zu Beifallsstürmen und Standing Ovations hin. Das Hohenloher Tagblatt berichtet in seiner Ausgabe vom 26.10.2023 über das Ereignis
Welche Adjektive soll man verwenden, um Menschen, die am frühen Samstagabend in der Crailsheimer Johanneskirche nicht dabei waren, als der Junge Chor der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland, das Kammerorchester Stuttgart der Neuapostolischen Kirche und Solistinnen und Solisten unter der Leitung von Frank Ellinger Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorium „Elias“ aufgeführt haben, dieses einmalige Klangerlebnis zu vermitteln?
Etwas mehr als zwei Stunden dauerte die Aufführung, doch die Zeit verging wie im Fluge, denn weder die Ausführenden noch das Auditorium hatte Zeit für eine Atempause, so mitreißend wurde das Ganze dargeboten. Nur zwischen dem ersten und dem zweiten Teil gab es eine kleine Ruhepause, und schon da mussten sich viele Menschen zurückhalten, ihre große Begeisterung durch einen verdienten Applaus zum Ausdruck zu bringen. Dieser erfolgte daher am Ende der Aufführung umso frenetischer und mündete in Standing Ovations, sodass auch eine Zugabe erfolgte.
Frank Ellinger souverän
Einzelne nun hervorzuheben, würde bedeuten, den anderen nicht gerecht zu werden. Dennoch ist naturgemäß Frank Ellinger als Erster zu nennen, der das musikalische Großereignis stets souverän leitete und mit seiner ausgeprägten Gestik stets im wahrsten Sinne des Wortes im Griff hatte. Alle Beteiligten waren trotz unterschiedlicher Positionen in dem großen Kirchraum daher stets vollkommen dicht bei einander.
Verantwortlich für den immensen Erfolg war dabei sowohl die großartige Musik des Komponisten Mendelssohn-Bartholdy als auch die ebenso großartige Umsetzung aller an dem Konzert Beteiligten. Interessanterweise war der Chor jeweils zur Hälfte mit Frauen und mit Männerstimmen besetzt, sodass hier eine gute Balance stattfinden konnte.
Als Solistinnen glänzten Juliette Schindewolf (Alt) und Alies Züfle (Sopran) ebenso wie die Solisten Johannes Hill (Bass) und Kai Kluge (Tenor) und der elfjährige Konstantin Sautter (Knabensopran). Zwei weitere Solistinnen und diverse andere im Chor ergänzten dies ebenso eindrucksvoll. Im Gegensatz zu einer Oper, die als theatralische Umsetzung von einer Bühnenhandlung begleitet wird, verzichtet ein Oratorium komplett auf derlei Aktionen, setzt aber ebenfalls auf ein dramatisches Geschehen, ist mehrteilig und vermittelt Geistlich-Sakrales, nicht in einem Theater, sondern in einem Kirchenraum. Wie bei der Oper spielen dabei mehrere Personen, ein Chor und ein Orchester eine wesentliche Rolle.
Die Geschichte des Propheten Elias hat Mendelssohn in seinem „Oratorium nach Worten des Alten Testaments“ in ein sehr imposantes Klanggemälde umgesetzt, das reichhaltige Variation bietet. Immer und immer wieder drängt sich einem das Wort „gewaltig“ auf, wenn Chor und Orchester den gesamten Kirchenraum mit ihrer enormen Musikalität erfüllen. Dass sich dabei eine spannungsvolle und spannende dramatische Handlung mit lyrisch anmutenden Passagen abwechselt, dass es Szenen gibt, die tatsächlich an eine Oper erinnern, ohne eine theatralische Handlung, die man sich aber gut vorstellen kann, verleiht dem Werk seinen typischen Charakter. Kirchenchoräle im eigentlichen Sinne gibt es zwar nicht, aber einige Passagen erinnern auch daran.
Bewegung entsteht auch dadurch, dass die musikalischen Gruppen sich permanent abwechseln: Mal dominiert das Orchester, mal der Chor, mal einzelne Stimmgruppen daraus. Dann gibt es fortwährend solistische Partien, die durch Duette und auch Quartette abgelöst werden. Rezitative (eine Art Sprechgesang) wechseln mit Arien (technisch anspruchsvollen Gesangsstücken) und Ariosi (Liedhaftem).
Gott ermöglicht Elias diverse Wunder, setzt sich gegen Baal und dessen Anhänger durch und lässt den langersehnten Regen fallen. Elias scheitert dann aber als Prophet und fährt in einem feurigen Wagen in den Himmel. Das Oratorium kulminiert in Hinweisen auf einen kommenden Messias und einem monumentalen Dankgebet an Gott.
Text: Hohenloher Tagblatt (Hans-Peter König) Bilder: Junger Chor der neuapostolischen Kirche Süddeutschland